Travepedia

Die Online-Enzyklopädie über den Lebensraum Trave: Im Fluss der Zeit

TRAVEPEDIA - ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie über die Trave, zu dem du mit deinem Wissen beitragen kannst. Hier findest Du allerlei interessante Informationen über den Lebensraum Trave von ihrer Quelle bis zu ihrer Mündung

Tatort Trave

Die Trave, ein 113 km langer Fluss im östlichen Hügelland Schleswig-Holsteins verbindet und trennt seit der letzten Eiszeit die Menschen an ihren Ufern. Die Trave ist der zweitlängste Fluss Schleswig-Holsteins. Viele Menschen wissen nur wenig über seine Herkunft, Geschichte und seine wichtige Rolle für Mensch und Natur. Das Projekt „Trave-Kids auf Flusssafari“ soll das ändern. In einem selbstproduzierten Film entdecken Jugendliche den Fluss vor ihrer Haustür und lüften die Geheimnisse des Lebensraumes Trave.

Die Trave – Siedlungsraum und Grenzfluss

Die Trave kann mit ihren 124 Kilometern Länge zu den größeren Fließgewässer in Schleswig-Holstein gezählt werden. Neben ihren sagen wir mal natürlichen Aufgaben stellt sie auch die Grenze zu Mecklenburg dar.

 In der frühen Geschichte Norddeutschlands war die Rolle der Trave als Grenzfluss von ungleich größerer Bedeutung, als es die heutige Funktion als Landesgrenze erahnen lässt. In den durch die Völkerwanderung leer gewordenen Raum stießen im 6. und 7. Jahrhundert slawische Stämme, die auf der Suche nach Siedlungsland waren. Dies führte zu einer Aufteilung des Landes, denn auch wenn manche Gebiete relativ leer waren, so lebten noch immer germanische Stämme dort. Sicherlich hat es immer wieder heftige Kämpfe zwischen Germanen und Slawen gegeben, immerhin galt es Interessengebiete abzustecken. Im Rahmen solcher Kriege wurde auch das damals noch zu Stormarn gehörende Hamburg von den Slawen erobert und niedergebrannt.

Irgendwann haben sich so die akzeptierten gegenseitigen Siedlungsräume herausgebildet. Getrennt wurden beide Volksgruppen durch eine Grenze. Im Westen dieser Grenze siedelten die germanischen Sachsen zu deren Volksstämmen auch die Sturmari zählten, also die Namensgeber für das spätere Stormarn, im Osten und Norden wiederum lebten nun die slawischen Obotriten.

Getrennt wurden beide Siedlungsräume vermutlich durch eine Art neutrale Zone, die in der Literatur als Limes Saxonia (lat. für sächsischer Grenzwall) bezeichnet wird. Die Trave wiederum war zusammen mit der Schwentine ein Teil dieser Grenzlinie. Anhand alter Ortsnamen wie z. B. Barnitz, kann man (zumindest ungefähr) erkennen, wo sich das slawische, wie in diesem Beispiel oder das sächsische Siedlungsgebiet befand. Durch spätere Unterwerfung der letzten slawischen Stämme durch sächsische bzw. mittlerweile deutsche Ritter (im 12. Jahrhundert) verlor diese Grenze an Bedeutung.

Doch auch in späterer Zeit behielt die Trave ihre Bedeutung, diesmal im Raum Lübeck, dort im Bereich des Mündungsdeltas der Trave hatte sich mit Lübeck ein wichtiger Handelshafen und Warenumschlagspunkt entwickelt. Auf die Geschicke der Hanse soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, es soll nur Erwähnung finden, dass der Fluss nun in das mittelalterliche System der Stadtbefestigung miteinbezogen wurde. In der Blütezeit der Hanse im 14. und 15. Jahrhundert, war die Trave mit ihrem wichtigen Lübecker Hafen weniger ein trennendes als vielmehr ein verbindendes Gewässer. Doch wie so viele Gewässer hat man auch die Trave als Energiequelle genutzt, zahlreiche Wassermühlen im Bereich der Städte wie Oldesloe, Reinfeld oder Lübeck, nutzten nun die Kraft der Trave um ihre Mühlräder anzutreiben.

Doch noch einmal sollte die Trave als trennendes Element in Erscheinung treten. Durch die deutsche Teilung wurde sie als Grenzfluss zu Mecklenburg zugleich auch zur Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und somit Teil der fast 1400 km langen innerdeutschen Grenze, deren Öffnung am 9. November 1989 das Ende der DDR einläutete.

Prof. Dr. Dr. TimeTrave-ler


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Der Taufstein in der Klein Wesenberger Kirche, auf dem Hügel über der Trave, stammt ursprünglich aus dem Lübecker Dom. Er stammt aus dem Jahre 1163 und ist aus gotländischem Kalkstein geschaffen. Im Jahre 1650 wurde er vom Dom auf einen Lastkahn an der Obertrave verladen, die Trave stromaufwärts bis Klein Wesenberg getreidelt und gestakt und dort in die um 1186 erbaute Kirche gebracht. Wenn wir noch viel länger in der Zeit zurückgehen - und zwar richtig lange - also etliche millionen Jahre, dann finden wir auf dem Hügel von Klein Barnitz einen versteinerten See-Igel. Mit anderen Worten war hier ganz früher mal Meeresgrund. Bloß gut, dass das schon so lange her ist...

Siedlungsgeschichte des Traveraumes

Die Trave ist einer der größeren Gewässer in Schleswig-Holstein, oder aus geographischer Sicht im südöstlichen Teil der Cimbrischen Halbinsel. Nach rund 124 Kilometern fließt sie in die Ostsee. Dabei ist vor allem bemerkenswert, das ihre Quelle nur wenige Kilometer von der Ostsee entfernt liegt. Gezwungen durch geographische Gegebenheiten macht das Gewässer sozusagen einen enormen Umweg bis es im Raum des heutigen Travemünde an ihr „natürliches“ Ziel gelangt, die Einmündung in ein größeres Gewässer. Dabei hat dieser Fluss, dessen Anfänge mit dem Ende der Weichsel Kaltzeit (Eiszeit) vor ungefähr 12 000 zu tun haben, immer auch als Aufenthaltsraum des Menschen gedient. Die ersten Menschen, die als Jäger und Sammler langsam den Norden „eroberten“ dürften dabei kaum prägend auf das Einzugsgebiet der Trave gewirkt haben. Als umherziehende Kleingruppen mit vermutlich nur losen übergeordneten sozialen Verbindungen konnten sie auch im Hinblick auf ihre technischen Möglichkeiten gar nicht oder bestenfalls rudimentär auf ihren Siedlungs- bzw. Wanderungsraum Einfluss nehmen.

Slawische Zeiten

Erste Hinweise auf die Trave finden sich bereits aus der Zeit des ersten Jahrhunderts, wo ein Gewässer unter dem Namen Dravus bzw. Drave in Magna Germanica Erwähnung findet. Zu dieser Zeit dürften im Osten der Cimbrischen Halbinsel verschiedene Germanische Stämme gesiedelt haben, die allerdings bald im Zuge der Völkerwanderung ganz oder teilweise diese Landschaft verlassen hatten. Später, im 6. und 7. Jahrhundert wanderten slawische Stämme aus dem Osten kommend hier ein. Es ist anzunehmen, dass diese besonders über die Flussläufe nach Westen und Norden vorstießen. Diese Gruppen kamen, um das mehr oder minder freie Land dauerhaft in ihren Besitz zu nehmen. die eventuell wenigen, noch vor Ort verbliebenen, Bevölkerungsreste der alten Einwohnerschaft sind dabei einfach assimiliert worden.

Als Folge dieser erneuten Landnahme war die Trave nun zu einem „slawischen“ Fluss geworden. Allerdings siedelten im Norden und Westen weiterhin germanische Stämme aus der großen Gruppe der Sachsen. Zweifellos gab es verschiedene Kämpfe mit den jeweiligen Nachbarn, sozusagen um die Grenzen abzustecken. Im Bereich des östlichen Holsteins hatte sich so das Volk der Obotriten (oder auch Abotriten) dauerhaft festsetzen können. Mit der Stadt und Festung Starigard hatte es sich zugleich ein bedeutendes Siedlungs- und Herrschaftszentrum geschaffen. Auch das Einzugsgebiet der Trave war Teil des Machtbereiches der Wagrier, vermutlich ein Unterstamm der Obotriten.

Einen machtpolitischen Höhepunkt erlebten die Obotriten im Zuge der Sachsenkriege Karls des Großen, denn als seine Verbündeten, unterstützt durch fränkische Hilfstruppen (auxiliatores francorum, laut der regesta Imperii) gelang es ihnen ihre sächsischen Nachbarn in der Schlacht auf dem Sventanafeld 798 zu besiegen. [Dem Schwentinefeld bei Bornhöved] Allerdings erfuhren die Obotriten bald gegen die Dänen (808) eine schwere Niederlage, weswegen Karl der Große loyale sächsische Truppen in Nordalbingen (dem Land nördlich der Elbe stationierte). Auch wenn es noch mehrere Jahrhunderte dauern sollte, so ließ sich dennoch die Dominanz der fränkisch-sächsischen bzw. deutschen Herrschaft im Norden nicht leugnen.

Dennoch haben die Slawen in dieser Region ihre Spuren deutlich hinterlassen. Plön, im Westen des einstigen Wagrischen Herrschaftsgebietes geht ganz klar auf diese zurück. Aus dem slawischen Plune war langsam ein deutsches Plön geworden. Entlang der Trave finden wir ähnliche Spuren. Barnitz muss ursprünglich ein slawisches Dorf gewesen sein. Später, nachdem Verlust der eigenen Unabhängigkeit, kamen deutsche Siedler ins Land. Die Wagrier standen jetzt vor der Wahl abzuwandern oder zu bleiben, dann aber unter dem Verlust der alten Dörfer. Sie wurden zwar weder vertrieben noch getötet, mussten aber entscheidende Änderungen akzeptieren.

Die guten Böden (und Hofstellen) bekamen jetzt deutsche Siedler, während die Slawen sich mit weniger guten Böden und Hofstellen zufrieden geben mussten. Erkennbar ist diese Entwicklung an den oft anzutreffenden Aufteilungen der Dörfer in Groß und Klein. In Groß-Barnitz saßen die deutschen Siedler und in Klein-Barnitz die Wagrischen.

 

Deus Vult I - Die Intrige from TRAVE-FILM on Vimeo.

An der Trave bei Barnice vor etwa 1000 Jahren. Ein slawischer Fürstensohn wird nach seiner Bekehrung zum Christentum von seinem Vater und seinem Volk verachtet. Aber auch seine neuen Glaubensbrüder sind ihm nicht wohl gesonnen. Um seine Loyalität und die Wahrhaftigkeit seines neuen Glaubens zu beweisen, soll er das heidnische Götzenbild zerstören. Neben der Errettung der verlorenen Seelen seines Stammes, wird ihm auch die Hand der huldvollen Tochter seines Lehnsherrn, der er überaus zugeneigt ist, versprochen. Wie wird der junge Krieger sich entscheiden? Wird er seine slawischen Wurzeln verraten oder seinen christlichen Glauben leugnen? Soll er das Heiligtum der Slawen zerstören...?

Deus Vult II - Der Frevel from TRAVE-FILM on Vimeo.

Spielfilm der Projektgruppe Trave-Film von 2011. Als Darsteller sind u.a. Prof. Time-Trave-ler als sächsischer Ritter, CamKid als slawisches Dorfkind und Roebisseur als Mönch Vicelin zu sehen...
 

Das einst von den Slawen angelegte Liubice kann heute als Vorsiedlung Lübecks angesehen werden. Liubice, was soviel wie „die Liebliche“ bedeutet, liegt am Zusammenfluss von Schwartau und Trave, rund sechs Kilometer flussabwärts der Altstadtinsel der Stadt, unweit der Teerhofinsel. Im laufe des 11. Jahrhunderts wurde der Siedlungsort deutlich ausgebaut und auch durch Wälle gesichert. Ab 1093 wird der Ort und der Herrschaftssitz planvoll ausgebaut und zu einem frühstädtischen Siedlungskomplex entwickelt. Allerdings wird der Ort 1138 von den Ranen, einem anderen slawischen Volk aus dem südlichen Ostseeraum, zerstört.

Heinrich der Löwe wollte den Ort als Handelsplatz in Konkurrenz zum dänischen Schleswig ausbauen und förderte den Auf- und Ausbau des Ortes. Doch erst mit der Hanse begann die Stadt aufzusteigen (seit 1160 das Soster Stadtrecht) und sich zu einem international bedeutenden Handelsplatz zu entwickeln.


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Ein Fluss als Wirtschaftsfaktor

Ein Eckpfeiler der Stadt war aber immer die Trave, auf deren Flussinseln die eigentliche Stadt gewachsen war. und die erst im 20 Kilometer entfernten Travemünde in die Ostsee fließt. Fluss und Meer bilden seither wichtige Verkehrsachsen für die Stadt. Auf dem Fluss konnten Waren in die Stadt transportiert werden und über das Meer verschifft werden. Darum stellte die Kontrolle über die Trave immer auch einen wichtigen Aspekt der Politik Lübecks dar.

Ab Hamberge fließt der Fluss ohnehin durch Lübecker Gebiet, doch auch der Mittellauf war immer im Interesse der Stadt bzw. der Kaufleute Lübecks. Deshalb ist der Fluss auch gezielt schiffbar gehalten worden, so dass man auf ihm über weite Strecken Transporte unternehmen konnte. Dies führte immer wieder zu Interessenkonflikten mit anderen Berufsgruppen wie Fischer und Mühlenbetreiber. Flussschiffer brauchen naturgemäß freie Gewässer. Mühlenbetreiber dagegen brauchen Platz für ihre Wasserräder, obendrein sind für einen kontinuierlichen Jahresbetrieb Wasserspeicher notwendig, also Stauungen. Diese allerdings können nicht nur den Schiffsverkehr erheblich erschweren, sie können auch den Fluss als Lebensraum komplett verändern. Ganze Fischbestände können so zum Verschwinden gebracht werden, ähnliches kann auch zu anderen Flussbewohnern, wie Krebse und Muscheln gesagt werden. Doch auch an diese Tiere waren wichtige Wirtschaftsinteressen gebunden.

Weiterhin gab es an der Trave nicht nur Lübeck. Auch Segeberg, Oldesloe und Reinfeld verfolgten Interessen an der Trave. Dies führte immer wieder zu Streit darüber wer diesen Fluss beherrschte. Naturgemäß hatte hier das durch den Handel reich gewordene Lübeck die besseren Argumente. Es konnte sich immer findige Juristen oder Soldaten kaufen.

„Oldesloe, die Beste-Trave-Stadt“

Bereits 1448 versuchte man von Hamburg aus eine Schiffbare Verbindung nach Lübeck zu bekommen. Grundlage waren dafür die Flüsse Alster, Beste und Trave. Man brauchte lediglich durch einen Kanal die Alster mit der Beste verbinden, da diese bei Oldesloe in die Trave mündete. Das Kanalprojekt, das durchaus als Konkurrenz zum Stecknitzkanal (von der Elbe bei Lauenburg bis nach Lübeck) gesehen werden kann, scheiterte letztendlich an den topographischen Gegebenheiten bzw. am Wassermangel.

Oldesloe, 1163 erstmals urkundlich erwähnt, direkt an einem Traveübergang gelegen war somit von Anfang an mit dem Fluss verbunden. Der Ort entwickelte sich Dank seiner Lage an einem Transitweg zwischen Hamburg und Lübeck schnell zu einem wichtigen Umschlagplatz für Waren in Stormarn. Waren konnten auf zwei Wegen von und nach Oldesloe transportiert werden, dem Wasserweg und dem Landweg. Über die schiffbare Beste und die ebenfalls Schiffbare Trave konnte beispielweise Salz aus der Saline abtransportiert werden. Weiterhin wurden in diesem Bereich durch Wassermühlen verschiedene Gewerbe betrieben. Um ein Beispiel zu nennen, in Lohmühlen konnte Gerberlohe (gewonnen aus Eichenrinde) für das Lederverarbeitende Handwerk (Schumacher, Sattler, Handschuhmacher) hergestellt werden.

Doch noch auf eine ganz andere Art konnte die Trave von wirtschaftlichem oder vielmehr politischem Interesse sei. Im Zuge der großen Arbeitslosigkeit als Folge des Zusammenbruchs der Börsen (1929) diente die Idee der Flussregulierung als Möglichkeit den Menschen Arbeit zu vermitteln. 1934 sahen die Nationalsozialisten darin eine geeignetes Mittel die von Ihnen zuvor versprochenen Arbeitsplätze zu schaffen. Die Obertrave zwischen Bad Segeberg und Bad Oldesloe (1910 erhielt die Stadt das Recht ihrem Namen die Bezeichnung „Bad“ voranzustellen) sollte nun in ihrem Flusslauf begradigt werden. So sollte zugleich die Schiffbarkeit des Flusses ausgebaut werden.

Nachwort

Die Trave die noch immer von Gießelrade aus über Bad Segeberg, Bad Oldesloe, Reinfeld und Lübeck bei Travemünde in die Ostsee fließt, befindet sich in einem ständigen Wechselspiel mit dem Land zu beiden Seiten ihrer Ufer. Nur durch ihre Existenz ließen sich Menschen in diesem Raum nieder, hier fanden sie Wasser, Nahrung und zuweilen eine Existenz als Fischer, Handwerker, Kaufmann. Umgekehrt haben die Menschen gewollt oder nicht auch den Fluss beeinflusst, durch Deiche hemmten sie seinen freien Lauf, durch Stauungen (zum Beispiel für die Wassermühlen) veränderten sie die Fließgeschwindigkeit, ebenso durch Begradigungen. Sie veränderten die Wasserqualität durch ständige Einleitungen von Abwässern, dies insbesondere im Bereich der Städte oder Gewerbeanlagen. So nahmen sie Einfluss auf Flora und Fauna im Fluss, das Wegfallen von bestimmten Fischen blieb ebenfalls nicht ohne Folgen und so fort.

Prof. Dr. Dr. TimeTrave-ler


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Urzeit an der Trave

CamKid hat an der Trave seltsame Steine gefunden und diese vom Archäologischen Landesamt in Schleswig begutachten lassen. Der nette Archäologe Stephan Meinhard schrieb ihm folgende Zeilen:

Der versteinerte Seeigel entstand vor mehreren Jahrmillionen, im so genannten Erdmittelalter. (Die Wissenschaftler sagen häufig "Mesozoikum". Das ist griechisch und bedeutet eigentlich das Gleiche wie im Deutschen. Aber es klingt klüger.) Genauer gesagt entstand er während des Jura oder wahrscheinlicher während der Kreidezeit. Während dieser Zeit lebten auf dem Festland die Dinosaurier, aber das heutige Schleswig-Holstein lag wirklich unter dem Meer. Während der Kreidezeit müssen in diesem Meer große Mengen an kleinen Muscheln, Schnecken und ähnlichen Tieren gelebt haben, die nach ihrem Tod auf den Meeresgrund sanken, ebenso wie alle anderen toten Tiere, darunter auch Dein Seeigel.

Der Seeigel wurde irgendwann völlig von Kalk umgeben, während er sich langsam zersetzte. Dadurch entstand ein kleiner, seeigelförmiger Hohlraum in der Kalkschicht. Gleichzeitig zerfielen auch die Kieselalgen und setzten dabei Kieselsäure frei die in die vom Seeigel hinterlassene Höhle sickerte und sich dort sammelte. Über die Zeit wurde die Kieselsäure immer fester, bis sie schließlich zu Stein geworden ist. Der Seeigel, den Du heute anfassen kannst, ist also gar nicht mehr der Igel, der vor Millionen von Jahren im Meer schwamm, sondern sein versteinerter Abdruck.

Dein anderer Stein ist genauso entstanden Er ist, wenn ich das auf dem Bild richtig erkennen kann, aber kein Abdruck von einem Tier, sondern ein Feuerstein. Der ist aber in etwa genauso alt, wie Dein Seeigel und auch genau so entstanden. Der einzige Unterschied ist nur, dass bei Deinem Feuerstein (dem man auch Flint nennt), die Kieselsäure in einen Hohlraum geflossen ist, den kein totes Tier hinterlassen hat.

Wenn Du einmal die Oberfläche von dem Seeigel mit der von dem Feuerstein vergleichst, wirst Du feststellen, dass beide Oberflächen ziemlich raus sind Sie sehen so aus, als wären winzige Krater ganz dicht nebeneinander. Mal größer und mal kleiner. Das sind die Abdrücke der Kalkschicht, in der die beiden Steine entstanden sind. Wenn die Steine an manchen Stellen beschädigt sind, erkennst Du das daran, dass die Beschädigungen glatter sind als die übrige Oberfläche. Außerdem ist die alte Oberfläche, die man auch Rinde nennt, etwas heller als der Rest, weil hier auch ein wenig Kalk mit in der Kieselsäure gekommen ist. Und mit etwas Glück findest Du auch noch hier und da etwas weiße Kreide an der Rinde.

Aber noch ist die Geschichte Deiner Funde nicht zu Ende. Bis in die Eiszeiten lagen beide Steine in dem Kalk. Nun dehnten sich die Gletscher Nordskandinaviens immer wieder aus und bildeten eine riesige Eisdecke, die immer weiter vorrückte. Dieser Riesengletscher riss Teile des Felsgesteins aus dem heutigen Schweden und Norwegen mit sich und transportierte es teilweise hunderte von Kilometern weit weg. Da wo heute die Ostsee liegt, waren allerdings die weichen Kalkschichten mit Deinen Steinen. Und weil der Kalk im Vergleich mit dem skandinavischen Stein so weich ist, konnten die Gletscher sich dort viel tiefer nach unten graben und dieses Material vor sich herschieben. Sobald es wieder wärmer wurde, begannen die Gletscher, wieder zu schmelzen und zogen sich langsam wieder in den Norden zurück.

Vor etwa 120.000 Jahren begann die letzte Eiszeit (die so genannte Weichseleiszeit) und die Gletscher Skandinaviens begannen, wieder sich auszudehnen und sich zu einem einzigen riesigen Eispanzer zu verbinden. Nur kam er dieses Mal nicht so weit. Er reichte diesmal ungefähr bis zu der Mitte Schleswig-Holsteins (in Ost-West-Richtung) und als er zu tauen begann, lies er riesige Mengen von Erde und Steinen hier liegen. So entstand der größte Teil von Schleswig-Holstein. Gleichzeitig hinterließ der Gletscher aber auch Deine Fundstücke genau da, wo heute Barnitz liegt.

Wie Du siehst, haben Dein Seeigel genauso wie Deine Feuersteine eine Reise hinter sich, die in der Zeit der Dinosaurier und vielleicht hunderte Kilometer weit weg von hier anfing und erst in dem Moment endete, in dem Du sie gefunden hast. Ich habe die ganze Geschichte natürlich stark vereinfacht dargestellt und ich hoffe, Du konntest mir in meinen Ausführungen folgen. Aber ich bin ja auch nur Archäologe (das ist wieder griechisch und bedeutet Altertumswissenschaftler). Wir Archäologen beschäftigen uns mit den Hinterlassenschaften der Menschen. Deren Geschichte fängt in Schleswig-Holstein erst zu dem Zeitpunkt an, als die Reise Deiner Funde beinahe beendet war. Sie also schon dort lagen, wo heute Barnitz ist, aber von Dir noch nicht gefunden wurden. Für diese Menschen wäre Dein Feuerstein vielleicht interessant gewesen, denn sie machten ihre Werkzeuge und Pfeilspitzen aus diesem Material. Deshalb nennt man diese Epoche der Menschheitsgeschichte auch Steinzeit. Aber nicht nur die Steinzeit ist für uns interessant. Von den ersten Menschen bis in das Mittelalter und manchmal auch bis fast in die Gegenwart erforschen wir die Reste vergangener Zeiten und versuchen, so herauszubekommen wie die Menschen früher einmal gelebt haben.


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PROJEKTZIEL

Wir entdecken den Lebensraum Trave und präsentieren ihn der Öffentlichkeit in einem Episoden-Film.

INFO-FLYER

TRAVE-KIDS-APP

DANKE!

Wir danken allen, die unser Projekt unterstützen. Den Kooperationspartnern, denen wir im Film begegnen, dem Bundesamt für Naturschutz und Jack Wolfskin, die uns mit dem Deutschen Naturschutzpreis das Projekt ermöglichen, den Eltern der Teilnehmer, die weder Mühe noch Kosten scheuen um unseren Film zu realisieren und den teilnehmenden Menschen, die jetzt viel Arbeit vor sich haben.

WAS BISHER GESCHAH - PREVIEW

Episode 0 - Geheimnis
Episode 1 - Flaschenpost
Episode 2 - Klärwerk
Episode 3 - Baumfrevel
Episode 4 - Time-Trave-l
Episode 5 - Ekelalgen
Episode 6 - Zaubermuschel
Episode 7 - Fische
Episode 8 - Fledermäuse
Episode 9 - Altarm Kneeden
Episode X - Hafengeschichten
Bonusmaterial